Der gesellschaftliche Missbrauch von Missbrauch und die Erziehung zur Psychopathie

Wir schreiben das Jahr 2019 und so sei anzunehmen, dass die Emanzipation vorangeschritten sei. Doch dann höre ich aus gesellschaftlich-sozialen Reihen diese Umdeutung. Diese Umdeutung nach Missbrauchsfällen, nach Vergewaltigungen, sexuelle Nötigen etc.. Sätze wie:“ Sie hat es durch ihr Aussehen provoziert…“ sie hatte eine sehr offene Art…“ Sätze, die von erwachsenden Frauen und Männern gleichermaßen ausgesprochen werden“…Diese Menschen tragen zum gesellschaftlichen Missbrauch von Missbrauch bei, da sie Fehlinterpretationen verbreiten und Schuld –und Schamgefühle von Opfern verstärken. Sie entschuldigen Verhalten von Tätern und machen sich mitschuldig an einer Welt, in der psychopathische Persönlichkeiten bejubelt werden. Sie tragen dazu bei, dass Frauen und Männern nicht dieselben Rechte zugesprochen wird.  Daneben gibt es sogenannte spirituelle Bewegungen, die propagieren, dass egal was einem Menschen zustoße, durch sie selber verursacht worden sei…Derartige Bewegungen sind nichts anderes als das Rechtfertigen psychopathischer Verbrechen und das Umkehren der Täter-Opfer-Rolle.

Es wäre großartig, wenn die zukünftige Erziehung unserer Kinder auf eine ehrliche Emanzipation ausgerichtet ist, welche die Frau genau wie den Mann als Mensch ansieht.

Ich möchte hierzu einen Ausschnitt aus dem Brief einer Studentin wiedergeben, der aktualisiert am 28.12.2017 erschien:

„Falls hier noch irgendjemand Probleme damit hat, anzuerkennen, dass eine Frau, egal was sie tut, niemals darum bittet, vergewaltigt zu werden, fasse ich hier noch einmal folgende Punkte zusammen, um Verwirrung zu vermeiden:

Als Mensch habe ich das Recht, dass meine weibliche Sexualität von Männern unangetastet bleibt und sie meinen Körper sexuell nicht ausnutzen.

Als Mensch habe ich das Recht, abends auszugehen.

Als Mensch habe ich das Recht, zu trinken, mit Menschen zu reden, zu tragen was ich will, hinzugehen, wohin ich will, ob allein oder in Begleitung, mein Leben zu leben.

Als Mensch habe ich das Recht, dann Sex zu haben, wenn ich es will, und dieses Recht ist dem männlichen gleichgestellt.

Als Mensch habe ich das Recht, nein zu sagen.

Wenn ich bewusstlos bin, wenn ich Alkohol getrunken habe, wenn du schon nackt bist und ein Kondom trägst und ich schon ja gesagt habe und dann aber meine Meinung ändere, heißt das nicht, dass wir nun dennoch Sex haben werden. Alles, was in diese Richtung geht, ist VERGEWALTIGUNG“

https://www.huffingtonpost.de/sara-roebuck/missbrauch-vergewaltigung-frauen-mann-verbrechen-belaestigung_b_13862294.html

Die Romantisierung von Missbrauch

Der Übergang von leidenschaftlicher Liebe zu Missbrauch erfolgt oft schleichend und wird von Betroffenen häufig zu spät bemerkt.
Am Beispiel Fifty Shades of Grey zeigte Lydia Benecke auf, dass der Film von psychischem, sexuellem und häuslichem Missbrauch handle, welcher fatalerweise als leidenschaftliche Liebe propagiert werde: Eine sexuell unerfahrene Frau werde zur Einwilligung sexueller Handlungen manipuliert – unter Alkohol soll ihre Einwilligung erzielt werden (was rechtlich gesehen eine Vergewaltigung darstelle), er wird wütend, als sie emotional aufgelöst ist…..

Grundsätzlich ist ein gegenseitiges Vertrauen, das offene Verbalisieren von Gefühlen, Wünschen, Ängsten die Basis einer jeden Beziehung.
Darüber hinaus sollten Medien nicht zu einer verallgemeinerten Pathologisierung (sexuellen) Verhaltens führen, sondern individuell genau von Experten betrachtet und ggf. behandelt werden. Eine Botschaft, die sich meines Erachtens, dadurch ebenfalls im o.g, Film verbirgt ist, dass eine Frau, die bedingungslos liebe, dem Anderen helfen könne. Es gibt auch Partner, die direkt kommunizieren, dass die/der Andere sie aus ihrem psychischen Leiden –z.B. und aus einer Bindungsstörung – befreien könne.

Grundsätzlich möchte ich wie folgt einige Merkmale zusammenfassen, die Beziehungsgewalttaten und Missbrauch signalisieren. Diese sind u.a.:
-Das Anbieten und Verabreichen von starkem Alkohol oder Drogen zur Enthemmung oder/und Reduzierung von Schmerzwahrnehmung für gewünschte sexuelle Praktiken
-Wenn Signale oder Worte, dass etwas unerwünscht ist oder es nicht gut geht, ignoriert werden
-Wenn Kommunikation nicht erwünscht wird und auf Emotionen mit Ablehnung, Wut reagiert -oder gar Trennung gedroht wird
-Wenn die eigene Wahrnehmung manipuliert wird, indem der Partner einredet, seine Vorlieben seien Wünsche des Anderen oder würden ihn extrem glücklich machen
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Medien ( u.a. Filme, social media…) sollten hier ihren verantwortungsvollen Beitrag leisten und Missbrauch nicht als spaßig, lustvoll und korrekt darstellen. Denn dadurch werden Betroffene in Ihren Gefühlen der Schuld, Scham verstärkt und von ihrer richtigen Wahrnehmung, eigenen Wertschätzung und Intuition entfernt.

Zwischen Autonomie und Zugehörigkeit

Es ist ein Grundkonflikt des Mensch und so wird dieser in der Wissenschaft auch als Abhängigkeits-Autonomie-Konflikt bezeichnet. Der Konflikt ensteht, weil zwei divergente Bedürfnisse aufeinander treffen. Ich bezeichne den Konflikt lieber als Autonomie- und Zugehörigkeitskonflikt, da es meiner Meinung nach kein Bedürfnis nach Abhängigkeit gibt, wohl aber nach Autonomie -als auch nach Zugehörigkeit

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Die Selbstoptimierung als Ruin des eigenen Selbst

Wie oft sind wir enttäuscht, weil wir uns haben täuschen lassen. Wir verlieben uns z.B. und mahlen uns bestimmte Vorstellungen mit dieser Person aus, obwohl wir die Person (noch) gar nicht gut kennen. Wir haben eine Vorstellung von einem bestimmten Job/Geschäftspartner und sind enttäuscht, wenn es nicht so funktioniert, wie gedacht. Wir haben Vorbilder, wie wir gerne wären. Aus unserem Wunsch wird häufig eine Erwartung. Wenn sich diese Erwartung dann wider Erwarten nicht erfüllt, sind wir enttäuscht und bemerken erst dann, dass dies das Ende der eigenen Täuschung ist.

Vorstellungen sind nicht schlecht: Sie geben Dir Hinweise über Deine Bedürfnisse, die hinter diesen Wünschen stehen. So regen Sie zur Selbstreflexion an und geben Dir Antworten auf Fragen:

In der heutigen Gesellschaft möchten sich die meisten Menschen optimieren. Erst muss  das teure Auto, das große Haus, der hübscheste Partner sein, der Beruf mit dem super Einkommen und der grenzenlosen Selbstverwrklichung. Danach folgt die innere Optimierung. Es werden Mentaltrainer und Gurus aufgesucht, die Dir erzählen, was Du denken musst, um noch erfolgreicher zu sein, was Du essen musst, um schlank und gesund zu werden oder bleiben, wie Du Dich verhalten musst, um Deinen Partner zu beeindrucken und wie Du Ansehen im Internet von Freunde erhältst, die keine Freunde sind. Bei all den „run“ um Selbstoptimierung verliert sich der Mensch selbst, so dass viele nicht mehr wissen, wer sie wirklich sind und was sie eigentlich gerne tun. Es geht um Anerkennung und der starke Wunsch geliebt zu werden, wobei der Einzelne vergisst, dass er schon immer geliebt wurde. Du bist liebenswert – unabhängig Deiner Leistung, Deines Status und Deines Aussehens. Wer das erkannt hat, lebt und liebt sein Selbst.

Dann bist Du der erfolgreichste Mensch!

Denn am Ende kommen wir da an, wo wir am Anfang waren und erkennen, dass wir das suchten, was wir bereits hatten.

Die bedingungslose Liebe

Was ist eine bedingungslos Liebe? Ich glaube, die bedingungslose Liebe gibt es nicht – auch wenn der Mensch oft meint in einer derartigen Selbstlosigkeit zu leben. Aber wir leben in einer materiellen Welt, in der jedes Gefühl, jeder Gedanke ver-materialisiert werden möchte. So ist es auch mit der Liebe. Wenn Du Dich an einer Blume erfreust und diese Blume über alles liebst (wie es beim kleinen Prinzen der Fall war), so besteht diese Liebe, weil die Blume da ist oder da war, so dass materielle (grobstoffliche) Erinnerungen bestehen. Wäre die Blume nicht real da, würde die Liebe nicht, oder nur bedingt bestehen. Wir erwarten von unserer Liebe, dass sie uns bereichert, indem sie für uns da ist, indem wir ihren Anblick mit unseren Sinnen aufnehmen können: indem wir sie sehen, riechen und vielleicht auch im Wind hören können, indem wir sie fühlen dürfen. Unsere Sinne wollen befriedigt werden – insbesondere von dem, was wir begehren. Wird dieses Bedürfnis nicht gestillt, werden wir wütend oder traurig. Demnach ist unsere Liebe gekoppelt an einer gewissen Präsenz. Weiterlesen

Die Qual der Wahl und das Dilemma der Ent-Scheidungen

Wer die Wahl hat, hat die Qual heißt es so schön. Und so führen Ent-Scheidungen nicht selten zu Überforderungen und werden gerne aufgeschoben – jedoch nicht gelöst. Jede Entscheidung hat auch etwas mit Scheidung zu tun, wie der Name schon sagt. Wenn ich durch eine Tür gehe, schließt sich dafür eine Andere. Das Problem ist bei vielen Menschen nicht das Handeln an sich, sondern die Konsequenzen der Ent-Scheidung zu er-tragen. Und mit dem vermeintlichen Verlust umzugehen. Sie sehen in dem Moment nur den Verlust und nicht den Gewinn. Denn eines ist klar: Wer keine Ent-Scheidungen trifft und sich alle Türen offen hält, dem werden sich langfristig alle Türen verschließen. Und auch dafür muss jeder die Konsequenzen tragen. Weiterlesen

Politisches Engagement: Brief an Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs

Sehr geehrter Herr Rörig,

Ihren Artikel über sexuellen Missbrauch habe ich aufmerksam in der regionalen Zeitung verfolgt. Thematisch befasse ich mich seit 20 Jahren mit dem Ursachen, Ausmaß und Bewältigungsstrategien von Missbrauchserfahrungen. Weiterlesen