Die Verantwortung der Gesellschaft

Auf die Frage, ob ein patriarchales System allein durch das nordische Modell ausgeräumt werden kann, möchte ich sagen, dass das Sexkaufverbot ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung ist.  Die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, gleiche Löhne für gleiche Arbeit sind Maßnahmen, die – neben der Einführung des nordischen Modells –  ebenfalls aktiv politisch gefördert werden sollten. Ebenso sollten die Lebensbedingungen für Alleinerziehende weiter gestärkt werden, so dass Frauen die Möglichkeit haben, ihre Kinder betreuen  zu lassen, um den Lebensunterhalt, mit menschenwürdiger Arbeit und ohne Prostitution, aufrechterhalten zu können.

Die Gesellschaft will die Augen verschließen, wenn von einer sogenannten Freiwilligkeit in der Prostitution gesprochen wird. Denn Prostitution ist nicht Freiwilligkeit, auch nicht die sogenannte freiwillige Prostitution.

Es ist ein Wunschbild der Männer und der Gesellschaft, um Missbrauch weiter zu legalisieren.

Kein Lebewesen kommt auf die Welt kommt und empfindet Freude dabei benutzt und gedemütigt zu werden. NIEMAND! Es ist schon sehr naiv, dass ein neurologisch gesunder, erwachsener Mensch tatsächlich glaubt, dass eine Frau Spaß daran habe. Diese Frau ist möglicherweise so sozialisiert worden, sie hat gelernt, still zu halten, wenn sie missbraucht wird, sie hat gelernt zu lachen, wenn ihr zum Weinen zumute ist, sie hat gelernt Ekel zu schlucken, so wie sie das Sperma der zig Männer schlucken musste, sie hat gelernt ihre Seele abzuspalten (zu dissoziieren), um nichts mehr zu empfinden, möglicherweise steht sie in einer emotionalen Abhängigkeit zu dem Zuhälter oder muss ihre Familie finanziell versorgen…und nicht zuletzt, suggeriert eine Gesellschaft, die Prostitution als normale Arbeit bezeichnet, Frauen, dass die tägliche Gewalt, die Ihnen wiederfährt, ganz normal sei.

Eine Gesellschaft, die Prostitution als normale Arbeit bezeichnet, rechtfertigt die Objektivierung der Frau als Ware. Eine Gesellschaft, die Prostitution als normale Arbeit bezeichnet, legitimiert Gewalt, moderne Sklaverei.

Das Nordische Modell gibt es in Schweden bereits seit 20 Jahren und das gesellschaftliche Bild hat sich zugunsten der Frau gewandelt. Die Frau wird nicht mehr als Ware gesehen, die Gewalt an Frauen ist gesunken. Das Nordische Modell besagt nicht, dass Prostitution vollständig eingedämmt werden kann. Nein, es geht primär um ein gesellschaftliches Umdenken. Es geht darum, welche Werte wir als Gesellschaft vermitteln und an unsere Kinder geben wollen. Schweden hat ein Wertebild gesetzt, welches die Grundpfeiler der Achtung, Respekt, Würde und Humanität  unterstreicht. Die Wertevermittlung in Deutschland lässt sehr zu wünschen übrig!

Das die Prostitution durch das schwedische Modell in den Untergrund gerät und schwerer zu kontrollieren sei, ist ein Mythos. Hierzu möchte ich Ihnen einen Passus aus Herrn Simon Häggströms Buch Shadow’s Law (Bullet Point Publishing) – Übersetzung aus dem Englischen von Maren Schleimer (entnommen aus EMMA) zitieren. Herr Häggström ist seit zehn Jahren als Polizist in der Stockholmer Prostitution Unit:

„Es ist ein normaler Dienstag. Ich sitze vor meinem Computer und scrolle durch aufgespritzte Lippen, Silikonbrüste und Tangas. World Top Escorts heißt eine der zahlreichen Websites, die lüsternen Sexkäufern Tag und Nacht frische, junge Frauen bereitstellt. Klickt man auf die Unterseite Escort, öffnet sich eine Weltkarte.

Ich klicke auf Europa. Die Karte zoomt näher ran. Ich setze den Cursor auf Schweden und klicke. Eine Liste von Städten ploppt auf. Neben den Städten stehen Zahlen in Klammern: Frauen, die in diesem Moment Sex in dieser Stadt verkaufen. Stockholm steht, wie gewohnt, mit seinen 193 Frauen an der Spitze der Liste, gefolgt von Göteborg. Eslöv bildet das Schlusslicht mit nur einer aktiven Anzeige.

Ich wähle Stockholm. Fünf Anzeigen in jeder Reihe: alles Frauen, ein Mann mit athletischem Körper ist die Ausnahme. Unter jedem Foto in der Reihe steht ein Name. Laura. Ionela. Karla. Larisa. Beatriz. Unter den Namen sind fünf Sterne. Während bei den einen alle fünf Sterne gelb aufleuchten, haben andere nur zwei oder drei gelbe Sterne, wiederum andere sogar nur anderthalb. Diese Sterne sind die Bewertungen der Sexkäufer.

Mein Job ist es, nun herauszufiltern, welche dieser Anzeigen sich die Sozialarbeiterinnen Malin und Zanna gemeinsam mit mir heute vornehmen sollten. Von all den Sexanzeigen schaffen wir nur einer Handvoll von ihnen pro Woche auf den Grund zu gehen. Die Frage, die wir uns dabei jeden Tag stellen: Wer benötigt am dringendsten einen Besuch der Prostitution Unit?

Um das herauszufinden, muss der Inhalt der Seite sehr genau auf bestimmte Muster und Signale durchleuchtet werden. Mein Blick bleibt bei einer Frau hängen, die sich selbst Serena nennt. Sie trägt einen winzigen rotkarierten Rock. Ihr Oberkörper liegt komplett frei und ihre Brüste sind sehr klein. Ihre langen Haare sind zu zwei Zöpfen gebunden, sie schaut mit verführerischem Blick direkt in die Kamera und lutscht an ihrem Daumen. Ich klicke auf das Foto und werde zu ihrer Anzeige weitergeleitet.

Das Foto erstreckt sich nun über meinen halben Bildschirm. Ich betrachte es noch genauer und stelle fest, dass sich meine Vermutung über das junge Alter der Frau bestätigt. Ich frage mich, ob sie überhaupt über 18 ist. Auf der rechten Seite des Fotos ist eine Liste mit den Eigenschaften des Mädchens: 18 Jahre alt, 167 cm, 48 Kilo, helle Haut, braune Haare, braune Augen, Körbchengröße B, rasiert, Nichtraucherin, spanisch.

Spanisch oder italienisch bedeutet in dieser Art von Anzeigen in Wirklichkeit meistens rumänisch. Die Menschenhändler wissen nämlich ganz genau, dass Frauen aus den ärmsten Ländern Europas bei den Sexkäufern nicht ziehen. Häufig hat das wenig damit zu tun, dass die Kunden fürchten, es mit einem Menschenhandels-Opfer zu tun zu haben. Sie haben vor allem Angst, dass sich das Risiko einer Verhaftung für sie erhöht. Die Sexkäufer glauben, solche Mädchen sind eher im Fokus der Polizei, weil sie so gut wie immer in die Organisierte Kriminalität verwickelt sind.

Weiter unten auf der Seite finden sich drei Spalten. Hierbei handelt es sich um eine Preisliste, die sich danach richtet, ob der Kunde einen incall will – also ob er Sex mit Serena bei ihr, in einem Hotel oder einer Wohnung kaufen möchte – oder einen outcall – dann kommt Serena zu ihm nach Hause. So wie andere Leute ­Pizza bestellen, ordern die Sexkunden eine Frau und lassen sie sich bis vor ihre Haustür liefern. Die Preise gehen von 150 Euro für 30 Minuten bis zu 2.000 Euro für 24 Stunden.

Unter dem Titel Beschreibung ist eine Nachricht, die verführerisch und einladend klingen soll:

Hi Baby,
ich bin eine völlig unabhängige Escort-­Dame. Eine wirklich charismatische Schönheit mit glamouröser Weichheit und hinreißender Energie, die dich auf unglaubliche Weise fesseln wird. Ich bin gutmütig, habe Manieren und lache gerne. Mein reizendes, diskretes und vergnügtes Auftreten macht mich zu deiner idealen Begleiterin für jeden Anlass. Ich bin ein extrem bodenständiges, kluges, sexy, kultiviertes und abenteuerlustiges Mädchen, das es einfach liebt, Spaß zu haben! Also nimm dein Telefon und ruf mich an. Ich bin sehr aufregend, Baby. Ich mach deine Träume wahr.

Sie arbeitet von Montag bis Sonntag, 24 Stunden von 24.

Dass es da draußen tatsächlich Männer gibt, die glauben, Serena stehe als eine „unabhängige Escort-Dame“ 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche aus völlig freiem Willen den Sexkunden zur Verfügung, ist einfach nur deprimierend.

Ich muss an den älteren Mann denken, den wir vergangene Woche verhaftet haben. Er erzählte uns, dass er das slowakische Mädchen schließlich gefragt hätte, ob sie das Geld behalten dürfe. Als sie daraufhin Ja sagte, fand er, er habe seine Pflicht getan und nahm ihre „Dienste“ ruhigen Gewissens in Anspruch.

Serenas Anzeige will einfach nicht enden. Kein Detail wird ausgelassen. Ich scrolle weiter nach unten und finde eine Liste mit den Dienstleistungen, die sie anbietet:

Fortgeschritten, American, CIM, Classic Cocktail, CIB, Cocktail, COF, Danish, Deep throat, Dildo Show, Dutch, erotische Massage, Escortdate, Facesitting, Fetish Fashion, Fingern, Fisting, French, German, GFE, Lesben Show, Golden Showers, Greek, Küssen, Masturbation Show, Norwegian, Oily Spanish, OWO, Oral mit Schlucken, Anilingus, Rollenspiele, Russian, Sandwich, Schulmädchen, BDSM, Sexspielzeuge, Sex ohne Kondom, Sklavenschlampe, Spanish, Schläge, Squirting, Striptease, Super French.

Aha, diese angeblich 18-jährige Frau will also das alles machen. Nehmen wir zum Beispiel das Küssen. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass viele der ausländischen Frauen keine Küsse anbieten. Küssen gilt als zu intim; das möchten sie für den Tag aufheben, an dem sie ihre große Liebe finden. Damit sie wenigstens eine Sache von sich aufgehoben haben, wenn es soweit sein sollte.

Weiter unten finde ich noch mehr Fotos. Auf dem einen trägt die Frau ein pinkes Höschen und umarmt einen Teddybären; auf dem nächsten hält sie einen Stapel Bücher, gekleidet wie ein Schulmädchen in einem kurzen, karierten Rock und aufgeknöpfter Bluse. Es liegt auf der Hand, dass solche Fotos versteckt zeigen sollen, dass die Frau definitiv unter 18 ist.

Wie auch immer, die Anzeige sagt, Serena sei 18 Jahre alt. Falls das wirklich stimmt, ist sie den Fotos nach allerdings höchstens 18 Jahre und einen Tag alt. Sie ist Tag und Nacht verfügbar und bietet alle möglichen Sexpraktiken an. Diese Anzeige riecht nur so nach Menschenhandel.

Die Bürotür öffnet sich und Zanna kommt rein, das Funkgerät in der einen Hand und ihre schwarze Schutzweste in der anderen. „Komm, wir müssen los! Ein gesuchter Zuhälter ist Nathalie und Henk direkt in die Arme gelaufen. Sie brauchen Rückendeckung! Malin wartet auf uns im Auto.“

Ich klicke auf das X in der rechten Ecke des Fensters und schließe den Browser. Für diesen Moment muss ich die junge Frau gehen lassen. Ich muss ein anderes Mal Zeit für sie finden. Wenn sie dann überhaupt noch in Schweden ist. Das Risiko ist ziemlich hoch, dass die Menschenhändler sie in eine andere Stadt verfrachten werden, vielleicht sogar in ein anderes Land – Sexkäufer sind schnell gelangweilt von dem immer ­gleichen Angebot an Frauen.

In diesem Fall kann man nur hoffen, dass meine Kollegen von einer anderen Prostitution Unit irgendwo auf der Welt sie im Internet finden, die gleichen Schlüsse wie ich ziehen – und ihr helfen.

In den vergangenen Jahren hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Länder zu besuchen und über unsere Arbeit in Schweden zu sprechen. Auf diesen Reisen gibt es eine Frage, die mir immer wieder begegnet – ob von PolitikerInnen, RichterInnen, PolizeikollegInnen und JournalistInnen. Bei dieser Frage geht es um die Befürchtung, dass die Prostitu­tion verschwinden und im Untergrund ausgeübt würde, wenn man die Freier kriminalisiert. Angeblich verliere man durch die Kriminalisierung der Freier die Kontrolle und könne Frauen wie Freier nicht mehr aufspüren. Das ist ein bedauerlicher Irrglaube über unser Schwedisches Modell, der sich in keinster Weise bestätigt hat.

Es ist ganz einfach: Prostitution kann gar nicht komplett untertauchen. Wie in jedem anderen Business auch, müssen Käufer und Verkäufer in irgendeiner Weise miteinander kommunizieren, und das passiert meistens über solche Anzeigen, wie ich sie beschrieben habe. Genauso leicht wie die Sexkunden die Anzeigen der Frauen finden, die sie treffen möchten, findet die Polizei sie.

Die Prostitution Unit hatte noch nie Probleme damit, Hotels oder Wohnungen aufzuspüren, in denen Frauen verkauft werden. Es erfordert nicht sonderlich viel Zeit oder großen Aufwand, die Adressen herauszufinden. Alles was wir brauchen, ist ein Handy – und in ein paar Minuten wissen wir, wo genau der nächste Sexverkauf in Stockholm abläuft. Nichts leichter als das.

Es überrascht mich immer wieder neu, wie viele Leute sich plötzlich zu Experten der Polizeiarbeit aufschwingen, sobald es um das schwedische Sexkaufverbot geht. Behauptungen wie „Prostitution wird in den Untergrund abtauchen!“, „Die Gewalt gegen Prostituierte wird drastisch zunehmen!“, „Das Gesetz ist nur schwer umzusetzen!“ oder „Die Polizei kann nicht genügend Beweise finden!“ werden einfach für bare Münze genommen. Immer und immer wieder werden diese Pseudo-Argumente in Debatten und Konferenzen in aller Welt vorgebracht. Wir, die an der Front arbeiten, nehmen das nicht sonderlich ernst.

Denn wir wissen, dass es sich dabei nur um eins handelt: einen Mythos.“

Das Nordische Modell

                                                                                                                      08.04.2019

 

Brief Bundesministerium

als ich beim diesjährigen Weltfrauentrag, in einer Diskussion um das Prostitutionsgesetz in Deutschland, von Mitarbeiterinnen aus Beratungsstellen für Prostituierte hörte, dass es auch freiwillig Prostituierte gäbe, war ich schockiert.

Prostitution ist niemals freiwillig. Kein Lebewesen kommt auf die Welt und möchte freiwillig gedemütigt, missbraucht werden. Mir wurde mitgeteilt, dass offiziell ca. 85% Frauen in der Zwangsprostitution seien. Die anderen seien freiwillige Prostituierte. Wie wird diese Freiwilligkeit ausgelegt? Der Großteil der Frauen hat in der Kindheit sexuellen Missbrauch erlebt und gelernt, sexuell zur Verfügung stehen zu müssen. Diese Frauen sind traumatisiert und werden in der Prostitution täglich retraumatisiert. Und auch eine Frau, die in einer finanziellen Notlage ist (z.B. Alleinerziehend, Arbeitslos, Sucht), bietet sicherlich ihren Körper nicht freiwillig an. Prostitution ist ein Geschäft, bei dem es einzig um Macht –und Gewaltausübung, in der Regel von Männern an Frauen, geht. Die Prostituierten werden gedemütigt, es werden häufig harte Sexualpraktiken gefordert, die mit Schmerzen und Erniedrigungen einhergehen. Viele verheiratete Männer gehen zu Prostituierten, weil sie diese (sexuelle) Gewalt in ihrer Ehe nicht ausüben können. Sie vergehen sich an Prostituierten und kaufen sich frei. Es sind Vergewaltigungen, die mit Geld „entschuldigt“ und vom Staat legitimiert werden. Diese Frauen, die jeden Tag das Unerträglich ertragen, sind seelisch soweit von ihrem Körper abgeschnitten, dass sie Gefühle nicht mehr oder nur noch gedämmt wahrnehmen können. Sie dissoziieren, um das Unerträgliche zu ertragen. Dissoziation ist ein Schutzmechanismus zum Überleben. Das Fatale daran ist, dass die Schmerzen tatsächlich nicht mehr als so stark erlebt werden. Viele Frauen in der Prostitution reden sich dadurch anfänglich ein, es sei nicht so schlimm und entfernen sich immer mehr von sich selbst. Ein Freier, der Sex mit einer Prostituierten einfordert, „fickt“ eine Tote, um es klar auszudrücken (entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, doch fiel mir hier kein „netteres“ Wort ein). Sie ist eine tote Hülle. Über ein beidseitiges Einvernehmen und Freiwilligkeit  kann hier nicht die Rede sein. Darüber hinaus stehen die meisten Prostituierten unter Alkohol –, Medikamenten und Drogeneinfluss, um den Missbrauch zu ertragen. Ein Großteil der Gewalt wird nicht angezeigt, da die Betroffenen stigmatisiert werden und häufig durch ihre Zuhälter selber in ein kriminelles Milieu geraten sind, so dass sie Angst vor rechtlichen Konsequenzen haben. Dadurch wird immer mehr Macht und Druck auf die Frauen ausgeübt, die körperlich und seelisch bereits zerstört wurden.

In Deutschland wird der Einstieg in die Prostitution gefördert. Es gibt Beratungsstellen für Gewerbetreibende der Prostitution, die sich hier selbständig machen „möchten“. Dies suggeriert, dass Prostitution eine normale Arbeit sei. Und es steigert die Nachfrage, was die Zahlen belegen. Prostitution ist jedoch weder Sex noch normale Arbeit. Prostitution ist Missbrauch und Gewalt, die vom deutschen Staat legitimiert und gefördert wird.

Als ich einen auf Arte einen Bericht über die neue „Ausbildung“ der Sexualassistenz in Deutschland erfuhr, war ich erneut schockiert! Wir benötigen Pflegekräfte und keine Sexualassistenten! Ist sich Deutschland bewusst, dass dies eine offizielle Ausbildung zur Prostitution bedeutet. Pflegebedürftige benötigen Gesellschaft, Kommunikation, Essen, Trinken, Medizinische Versorgung, ausreichend Schlaf…, aber sicherlich keinen Sex als Kompensation. Und wer bietet diese Dienstleistung“ an. Es sind sicherlich wieder zum Großteil Frauen, die gelernt haben, für Sexualität zur Verfügung stehen zu müssen. Es kommt mir vor, als mache Deutschland ein Geschäft mit seelisch traumatisierten Menschen.

17 Jahre nach der Entkriminalisierung der Prostitution ist Deutschland  zum Menschenhandelsplatz  geworden. Überall auf der Welt gibt es Gewaltausübung in der Prostitution. Doch in Deutschland wird diese Gewalt staatlich geschützt und gefördert. Prostitution wird es wahrscheinlich immer geben, doch es geht darum, dass Deutschland einen Beitrag zur Eindämmung der Gewalt und Machtmissbrauch gibt.

Und um es in Zahlen auszudrücken, wie es für unseren wirtschaftlichen Staat von Bedeutung ist: Die Behandlung der Folgeschäden der Prostitution (körperliche und seelische Behandlungen, chronische Krankheiten, posttraumatische Belastungsstörungen, Drogenabhängigkeit, Arbeitslosigkeit etc.) verursacht immense Kosten, die präventiv für Ausstiegsmöglichkeiten Prostituierter eingesetzt werden könnten, um langfristig Kosten zu minimieren.

Das seelische Leid, was die Frauen jeden Tag erfahren, ist sicherlich mit keinen Geld auszugleichen.

Andere Länder sind uns weit voraus. Schweden führte bereits 1998/1999 erfolgreich das Sexkaufverbot ein, was die Ursache der Prostitution angeht. Dies nenne ich einen verantwortungsvollen staatlichen Schritt in der Geschichte der Prostitution. Nicht nur, dass dadurch die Prostitution eingedämmt wird, es findet durch den Perspektivwechsel ein gesellschaftliche Wandel statt. Unter dem Nordischen Modell wird nicht die Prostitution entkriminalisiert, sondern die Prostituierten. Freier und Bordellbesitzer werden kriminalisiert – es wird die Gruppe bestraft, die Macht und Missbrauch ausübt!. Es findet dadurch ein Umdenken der Gesellschaft statt. Die Frau wird nicht mehr objektiviert, als Ware gehandelt, an der Stärkere ihre Gewalt und Macht entladen dürfen…Den Opfern werden Schuld –und Schamgefühle genommen. In unserer Gesellschaft werden leider immer noch allzu häufig Täter in Schutz genommen und Opfer verantwortlich gemacht. Sätze wie „Sie hat es durch ihr Aussehen provoziert“ oder „Sie ist doch freiwillig zu ihm gefahren“ oder „sie ist freiwillig Prostituierte…“etc. legitimieren Missbrauch und Gewaltausübung, verstärken die Schuldgefühle der Opfer und führen dazu, dass viele Straftaten nicht angezeigt werden.

In Traumakliniken und psychologischen Einrichtungen finden sich in der Regel die Opfer. Ich habe bislang nicht gehört, dass ein Zuhälter glaubte, er benötige therapeutische Hilfen. Nach dem Nordischen Modell wird Männern endlich verdeutlicht, dass Frauen keine Waren sind. Das nordische Modell unterstreicht die Würde eines jeden Menschen, welches nach dem Grundgesetz eigentlich eine Verständlichkeit sein sollte. Das nordische Modell sieht Ausstiegshilfen und Beratungen für Prostituierte vor. Auch Männer, die dadurch erkennen, dass sie Gewalt an Schwächeren ausüben und ihr Verhalten ändern müssen, finden Hilfen in Beratungsstellen.

Nach Schweden im Jahre 1999 zogen Norwegen und Island 2009 mit dem Sexkaufverbot nach, 2014 Kanada, 2015 Nordirland, 2016 Frankreich, 2017 Republik Irland, Israel 2018 und Schottland und England sind in Vorbereitung. Wo bleibt Deutschland?

Es ist Zeit, dass Deutschland umdenkt und auch Verantwortung einnimmt.

Diese Gewalt muss aufhören. Wie kann Deutschland so etwas zulassen?

Warum handelt Deutschland nicht?

Fortfolgend sende ich Ihnen einen Link der Mainzer Erklärung:

https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLScl1P3_BYSiy8MK8yeRcCIyoYAGMGxsItfqYo-21Poyd9clzQ/viewform?fbclid=IwAR2HHbYvTltR4h7LOUiik1esySAJnGw5gotfBYGCAk1ZqupylK-xkfLCLgU

Eine kurze Zusammenfassung der Mythen über Prostitution finden Sie unter:

https://www.frauenrechte.de/online/themen-und-aktionen/frauenhandel/mythen-der-prostitution

 

Ich bitte Sie dieses in Ihrer politischen Funktion im Bundestag und Bundesministerium publik zu machen oder an entsprechende Stellen weiterzuleiten oder mir mitzuteilen, an wen ich mich wenden kann, damit dieser Hass in Deutschland eingedämmt wird.

Gerne stehe ich Ihnen für Fragen zur Verfügung.

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre beanspruchte Zeit und Ihre Bemühungen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dominika Tigges

(Dipl. Sozialarbeiterin

Gesundheitspädagogin)

Der gesellschaftliche Missbrauch von Missbrauch und die Erziehung zur Psychopathie

Wir schreiben das Jahr 2019 und so sei anzunehmen, dass die Emanzipation vorangeschritten sei. Doch dann höre ich aus gesellschaftlich-sozialen Reihen diese Umdeutung. Diese Umdeutung nach Missbrauchsfällen, nach Vergewaltigungen, sexuelle Nötigen etc.. Sätze wie:“ Sie hat es durch ihr Aussehen provoziert…“ sie hatte eine sehr offene Art…“ Sätze, die von erwachsenden Frauen und Männern gleichermaßen ausgesprochen werden“…Diese Menschen tragen zum gesellschaftlichen Missbrauch von Missbrauch bei, da sie Fehlinterpretationen verbreiten und Schuld –und Schamgefühle von Opfern verstärken. Sie entschuldigen Verhalten von Tätern und machen sich mitschuldig an einer Welt, in der psychopathische Persönlichkeiten bejubelt werden. Sie tragen dazu bei, dass Frauen und Männern nicht dieselben Rechte zugesprochen wird.  Daneben gibt es sogenannte spirituelle Bewegungen, die propagieren, dass egal was einem Menschen zustoße, durch sie selber verursacht worden sei…Derartige Bewegungen sind nichts anderes als das Rechtfertigen psychopathischer Verbrechen und das Umkehren der Täter-Opfer-Rolle.

Es wäre großartig, wenn die zukünftige Erziehung unserer Kinder auf eine ehrliche Emanzipation ausgerichtet ist, welche die Frau genau wie den Mann als Mensch ansieht.

Ich möchte hierzu einen Ausschnitt aus dem Brief einer Studentin wiedergeben, der aktualisiert am 28.12.2017 erschien:

„Falls hier noch irgendjemand Probleme damit hat, anzuerkennen, dass eine Frau, egal was sie tut, niemals darum bittet, vergewaltigt zu werden, fasse ich hier noch einmal folgende Punkte zusammen, um Verwirrung zu vermeiden:

Als Mensch habe ich das Recht, dass meine weibliche Sexualität von Männern unangetastet bleibt und sie meinen Körper sexuell nicht ausnutzen.

Als Mensch habe ich das Recht, abends auszugehen.

Als Mensch habe ich das Recht, zu trinken, mit Menschen zu reden, zu tragen was ich will, hinzugehen, wohin ich will, ob allein oder in Begleitung, mein Leben zu leben.

Als Mensch habe ich das Recht, dann Sex zu haben, wenn ich es will, und dieses Recht ist dem männlichen gleichgestellt.

Als Mensch habe ich das Recht, nein zu sagen.

Wenn ich bewusstlos bin, wenn ich Alkohol getrunken habe, wenn du schon nackt bist und ein Kondom trägst und ich schon ja gesagt habe und dann aber meine Meinung ändere, heißt das nicht, dass wir nun dennoch Sex haben werden. Alles, was in diese Richtung geht, ist VERGEWALTIGUNG“

https://www.huffingtonpost.de/sara-roebuck/missbrauch-vergewaltigung-frauen-mann-verbrechen-belaestigung_b_13862294.html

Die Romantisierung von Missbrauch

Der Übergang von leidenschaftlicher Liebe zu Missbrauch erfolgt oft schleichend und wird von Betroffenen häufig zu spät bemerkt.
Am Beispiel Fifty Shades of Grey wird deutlich, wie sexuelle Machtspiele positiv und als normal dargestellt werden. Eine sexuell unerfahrene Frau werde zur Einwilligung sexueller Handlungen manipuliert – unter Alkohol soll ihre Einwilligung erzielt werden (was rechtlich gesehen eine Vergewaltigung darstelle), er wird wütend, als sie emotional aufgelöst ist…..

Grundsätzlich ist ein gegenseitiges Vertrauen, das offene Verbalisieren von Gefühlen, Wünschen, Ängsten die Basis einer jeden Beziehung.
Darüber hinaus sollten Medien nicht zu einer verallgemeinerten Pathologisierung (sexuellen) Verhaltens führen, sondern individuell genau von Experten betrachtet und ggf. behandelt werden. Eine Botschaft, die sich meines Erachtens, dadurch ebenfalls im o.g, Film verbirgt ist, dass eine Frau, die bedingungslos liebe, dem Anderen helfen könne. Es gibt auch Partner, die direkt kommunizieren, dass die/der Andere sie aus ihrem psychischen Leiden –z.B. und aus einer Bindungsstörung – befreien könne.

Grundsätzlich möchte ich wie folgt einige Merkmale zusammenfassen, die Beziehungsgewalttaten und Missbrauch signalisieren. Diese sind u.a.:
-Das Anbieten und Verabreichen von starkem Alkohol oder Drogen zur Enthemmung oder/und Reduzierung von Schmerzwahrnehmung für gewünschte sexuelle Praktiken
-Wenn Signale oder Worte, dass etwas unerwünscht ist oder es nicht gut geht, ignoriert werden
-Wenn Kommunikation nicht erwünscht wird und auf Emotionen mit Ablehnung, Wut reagiert -oder gar Trennung gedroht wird
-Wenn die eigene Wahrnehmung manipuliert wird, indem der Partner einredet, seine Vorlieben seien Wünsche des Anderen oder würden ihn extrem glücklich machen
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Medien ( u.a. Filme, social media…) sollten hier ihren verantwortungsvollen Beitrag leisten und Missbrauch nicht als spaßig, lustvoll und korrekt darstellen. Denn dadurch werden Betroffene in Ihren Gefühlen der Schuld, Scham verstärkt und von ihrer richtigen Wahrnehmung, eigenen Wertschätzung und Intuition entfernt.

Zwischen Autonomie und Zugehörigkeit

Es ist ein Grundkonflikt des Mensch und so wird dieser in der Wissenschaft auch als Abhängigkeits-Autonomie-Konflikt bezeichnet. Der Konflikt ensteht, weil zwei divergente Bedürfnisse aufeinander treffen. Ich bezeichne den Konflikt lieber als Autonomie- und Zugehörigkeitskonflikt, da es meiner Meinung nach kein Bedürfnis nach Abhängigkeit gibt, wohl aber nach Autonomie -als auch nach Zugehörigkeit

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Die Selbstoptimierung als Ruin des eigenen Selbst

Wie oft sind wir enttäuscht, weil wir uns haben täuschen lassen. Wir verlieben uns z.B. und mahlen uns bestimmte Vorstellungen mit dieser Person aus, obwohl wir die Person (noch) gar nicht gut kennen. Wir haben eine Vorstellung von einem bestimmten Job/Geschäftspartner und sind enttäuscht, wenn es nicht so funktioniert, wie gedacht. Wir haben Vorbilder, wie wir gerne wären. Aus unserem Wunsch wird häufig eine Erwartung. Wenn sich diese Erwartung dann wider Erwarten nicht erfüllt, sind wir enttäuscht und bemerken erst dann, dass dies das Ende der eigenen Täuschung ist.

Vorstellungen sind nicht schlecht: Sie geben Dir Hinweise über Deine Bedürfnisse, die hinter diesen Wünschen stehen. So regen Sie zur Selbstreflexion an und geben Dir Antworten auf Fragen:

In der heutigen Gesellschaft möchten sich die meisten Menschen optimieren. Erst muss  das teure Auto, das große Haus, der hübscheste Partner sein, der Beruf mit dem super Einkommen und der grenzenlosen Selbstverwrklichung. Danach folgt die innere Optimierung. Es werden Mentaltrainer und Gurus aufgesucht, die Dir erzählen, was Du denken musst, um noch erfolgreicher zu sein, was Du essen musst, um schlank und gesund zu werden oder bleiben, wie Du Dich verhalten musst, um Deinen Partner zu beeindrucken und wie Du Ansehen im Internet von Freunde erhältst, die keine Freunde sind. Bei all den „run“ um Selbstoptimierung verliert sich der Mensch selbst, so dass viele nicht mehr wissen, wer sie wirklich sind und was sie eigentlich gerne tun. Es geht um Anerkennung und der starke Wunsch geliebt zu werden, wobei der Einzelne vergisst, dass er schon immer geliebt wurde. Du bist liebenswert – unabhängig Deiner Leistung, Deines Status und Deines Aussehens. Wer das erkannt hat, lebt und liebt sein Selbst.

Dann bist Du der erfolgreichste Mensch!

Denn am Ende kommen wir da an, wo wir am Anfang waren und erkennen, dass wir das suchten, was wir bereits hatten.

Die bedingungslose Liebe

Was ist eine bedingungslos Liebe? Ich glaube, die bedingungslose Liebe gibt es nicht – auch wenn der Mensch oft meint in einer derartigen Selbstlosigkeit zu leben. Aber wir leben in einer materiellen Welt, in der jedes Gefühl, jeder Gedanke ver-materialisiert werden möchte. So ist es auch mit der Liebe. Wenn Du Dich an einer Blume erfreust und diese Blume über alles liebst (wie es beim kleinen Prinzen der Fall war), so besteht diese Liebe, weil die Blume da ist oder da war, so dass materielle (grobstoffliche) Erinnerungen bestehen. Wäre die Blume nicht real da, würde die Liebe nicht, oder nur bedingt bestehen. Wir erwarten von unserer Liebe, dass sie uns bereichert, indem sie für uns da ist, indem wir ihren Anblick mit unseren Sinnen aufnehmen können: indem wir sie sehen, riechen und vielleicht auch im Wind hören können, indem wir sie fühlen dürfen. Unsere Sinne wollen befriedigt werden – insbesondere von dem, was wir begehren. Wird dieses Bedürfnis nicht gestillt, werden wir wütend oder traurig. Demnach ist unsere Liebe gekoppelt an einer gewissen Präsenz. Weiterlesen

Die Qual der Wahl und das Dilemma der Ent-Scheidungen

Wer die Wahl hat, hat die Qual heißt es so schön. Und so führen Ent-Scheidungen nicht selten zu Überforderungen und werden gerne aufgeschoben – jedoch nicht gelöst. Jede Entscheidung hat auch etwas mit Scheidung zu tun, wie der Name schon sagt. Wenn ich durch eine Tür gehe, schließt sich dafür eine Andere. Das Problem ist bei vielen Menschen nicht das Handeln an sich, sondern die Konsequenzen der Ent-Scheidung zu er-tragen. Und mit dem vermeintlichen Verlust umzugehen. Sie sehen in dem Moment nur den Verlust und nicht den Gewinn. Denn eines ist klar: Wer keine Ent-Scheidungen trifft und sich alle Türen offen hält, dem werden sich langfristig alle Türen verschließen. Und auch dafür muss jeder die Konsequenzen tragen. Weiterlesen

Politisches Engagement: Brief an Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs

Sehr geehrter Herr Rörig,

Ihren Artikel über sexuellen Missbrauch habe ich aufmerksam in der regionalen Zeitung verfolgt. Thematisch befasse ich mich seit 20 Jahren mit dem Ursachen, Ausmaß und Bewältigungsstrategien von Missbrauchserfahrungen. Weiterlesen